Einstieg bei der Deutschen Bank | Spahn veröffentlicht Kurzfilm
 
DAS MORNING BRIEFING
02.11.2018
 
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dpa
Guten Morgen,
der Elendsmarsch der 3.500 Flüchtlinge aus Honduras, El Salvador und Guatemala in Richtung der US-amerikanischen Südgrenze liefert den Stoff, aus dem Bedrohungsphantasien sind. Cineasten kennen das Drehbuch: Alien – das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, jetzt im „Director’s Cut“. „Niemand wird reinkommen. 15.000 US-Soldaten an der Grenze empfangen sie“, tönt der Hauptdarsteller seit Tagen. Heute Nacht legte er nach: „Wenn sie an der Grenze mit Steinen werfen, werden unsere Grenzsoldaten reagieren, als handele es sich um Schusswaffen.“

Der typische Trump-Wähler vibriert. Die Armut der Fremden erzeugt die Angst der US-amerikanischen Stammbelegschaft und nährt deren Glauben, Gewissheiten ließen sich durch Gewalt wiederherstellen. Die Guten, im Drehbuch werden sie „die Demokraten“ genannt, kämpfen gegen die Bösen, die man hier als „die Republikaner“ kennt, wobei beide die selbe Energie nutzen, nur jeder mit umgekehrtem Vorzeichen. Fernhass vs. Fremdenliebe. Beide Parteien haben von Kopf auf Bauch umgeschaltet. Die Flüchtlinge sind ihre billigen Statisten.
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Wer allerdings glaubt, Dramatisierung, Banalisierung und Fiktionalisierung von Konflikten seien eine Erscheinung des Trumpismus, der irrt. Der brutalste und zugleich wirkungsvollste TV-Spot der US-amerikanischen Wahlkampfgeschichte stammt von den Demokraten. Dieser Spot, die sogenannte „Daisy Ad“, die sie im heutigen Morning Briefing Podcast  im Original hören können, wurde nur ein einziges Mal ausgestrahlt und gilt als gewichtige Ursache für den Erdrutsch-Sieg des Kennedy-Nachfolgers Lyndon B. Johnson, der mit 61 Prozent den erzkonservativen Barry Goldwater im Jahr 1964 in die Flucht schlug.

Ein Mädchen hält eine Gänseblume (engl. Daisy) in der Hand und reißt ihr nach und nach die Blütenblätter ab. 1-2-3-4-5-7-6-6-8-9, zählt sie, als plötzlich der mit tiefer Stimme vorgetragene Countdown einsetzt: 10-9-8-7-6-5-4-3-2-1. In den Pupillen der Kleinen spiegelt sich die Detonation der Atombombe. „Vor dieser Herausforderung stehen wir: Eine Welt zu schaffen, in der alle Kinder Gottes leben können, oder in Dunkelheit zu versinken“, dröhnt die Stimme des Erzählers: „Wir müssen entweder einander beistehen – oder sterben.“ Dann der Hinweis: Wählt Johnson.

Wir lernen: Der Trumpismus ist älter als Trump. Die gemeine Unterstellung und die polemisch zugespitzte Verleumdung gehören zum US-amerikanischen Wahlkampf wie der Ketchup zum Burger.
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dpa
 
Die Zustimmungswerte des US-Präsidenten im übrigen steigen seit Monaten wieder an und liegen derzeit bei 43,9 Prozent. Nach aktuellen Umfragen würden die Republikaner ihre Mehrheit im Senat verteidigen, womöglich sogar ausbauen. Die Vormachtstellung im Repräsentantenhaus dürfte aber bis zum letzten Tag umkämpft sein. Den Demokraten fehlen derzeit 15 Sitze für die Mehrheit. Ihr Wahlkampf leidet unter drei Faktoren: Erstens, es gibt keinen wirklichen Gegenspieler zum Präsidenten. Zweitens, die mediale Dauerempörung über Trump stößt viele Wähler der Mitte ab. Und drittens: Das Migrationsthema zieht.

Wenn Trump überzieht, liegt darin die einzige Chance für die Demokraten. Die Mehrzahl der Wähler in der Mitte, bei uns und in den USA, ist ausländerkritisch, aber nicht unmenschlich. Sie wollen ihre Tradition verteidigt sehen, aber nicht mit dem Schnellfeuergewehr.
 
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Jens Spahn, der um die Zustimmung der Delegierten (siehe Grafik) kämpft, hat sich jetzt mit einem Video zu Wort gemeldet, das er auf seiner Facebook-Seite publizierte. Spahns Kernbotschaft: „Die CDU ist das Herz unserer Demokratie. Wir haben zugelassen, dass dieses Herz an Kraft verliert.“ Mit schnellen Schnitten wirbt er für sich und die Vokabeln, die ihm wichtig sind: Stark. Tolerant. Pragmatisch. Das ist nicht falsch, aber ist es deshalb schon richtig? Sein Video ist nicht hart, sondern harmlos. Eine Wortmeldung, kein Statement.
 
 
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dpa
 
Die Krankheit unserer Zeit sei die Einsamkeit, sagte unlängst Papst Franziskus. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing braucht sich davon nicht mehr angesprochen zu fühlen. Denn obwohl er seit Monaten schwierige Zahlen vorlegt, steigt nun ein neuer Großaktionär bei ihm ein: Der US-Hedgefonds Hudson Executive Capital hat sich mit 3,1 Prozent beteiligt und damit den Anteil der Ausländer (Grafik unten) an den DAX-Konzernen erhöht. Die Aktie sei unterbewertet und die Strategie des Vorstands unverstanden. Wenn es im Leben eines Deutsche-Bank-Chefs seit der Finanzkrise überhaupt Glücksmomente gibt, dann war das einer davon.

Heute Morgen allerdings wird die Freude durch ein „Handelsblatt“-Interview mit Wall-Street-Legende und JPMorgan-Chase-CEO Jamie Dimon schon wieder getrübt. Gefragt nach einem möglichen Kauf der Deutschen Bank, erwidert Dimon: „Wenn man ein Unternehmen kauft, nur um zu konsolidieren, dann ist das fast unmöglich, ohne den Patienten dabei zu töten.“
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Daimler AG
 
Die Daimler AG beschäftigt Ingenieure, Marketing-Experten und jede Menge Fließbandarbeiter. Aber es gibt nur einen Mitarbeiter, der sich Zukunftsforscher nennen darf und der mit professionellem Blick versucht, um die nächste Ecke zu schauen: Alexander Mankowsky. Mit ihm habe ich für den heutigen Morning Briefing Podcast  gesprochen, um uns Klarheit zu verschaffen: Welche Zukünfte warten auf uns? Dürfen wir uns freuen oder müssen wir uns gruseln? In jedem Fall, sagt der Mann mit der Glaskugel, sollten wir uns beim Blick ins Silicon Valley entspannen. Dort sehen wir, sagt er, nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. Es handele sich um ein „deutsches Missverständnis“. Die geistige Abhängigkeit vieler Manager vom Silicon Valley sei keine Wissenschaft, sondern Psychose. Oder um es mit Peter Sloterdijk zu sagen: „Du kennst die Anfänge nicht, die Enden sind dunkel, irgendwo dazwischen hat man dich ausgesetzt.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein Wochenende in Gelassenheit. Es grüßt Sie auf das Herzlichste Ihr

Gabor Steingart
Journalist & Buchautor