Gesundheitsminister Jens Spahn im Podcast-Interview | Sewing unter Verdacht
 
DAS MORNING BRIEFING
03.12.2018
 
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Guten Morgen,
das werden die vermutlich wirtschaftlich wichtigsten Stunden in dieser Woche: Am Dienstag treffen die Konzernchefs von VW, Daimler und BMW in Washington ein. Dort wartet auf sie der US-Handelsminister und vielleicht treffen sie auch den Präsidenten. Thema sind die angekündigten Strafzölle. Die Autoindustrie ist unsere Schlüsselbranche. Beginnt sie zu husten, bekommt Deutschland Fieber.
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Nun kämpft die Autoindustrie am Dienstag nicht ums Überleben. Dafür sind die 1,63 Millionen in den USA verkauften Autos zu wenig, angesichts von weltweit über 16,5 Millionen Kraftfahrzeugen, die Deutschland losschlägt. Aber es sind zu viele Autos, um im Falle von verkaufsbehindernden Maßnahmen nicht doch Bremsspuren in den Bilanzen zu hinterlassen. Deshalb geht es am Dienstag in Washington nicht nur um Autos, sondern auch um Arbeitsplätze.

Die Chancen, dass man sich einigt, stehen nicht schlecht. Die deutschen Manager, so ist aus gut unterrichteten Kreisen zu hören, sind bereit, von den geplanten Produktionserweiterungen in der Türkei, Rumänien, Mexiko und eventuell auch China einige in die USA zu verlagern. Marktanteile gegen „Blue Collar Jobs“: Das wäre der Deal. Die Deutschen behalten ihre US-amerikanischen Kunden, Donald Trump seine industriellen Wähler. Wir rechnen in Geld, er in Macht. Seine S-Klasse heißt Air Force One.
 
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dpa
 
Der 24. UN-Klimagipfel hat mitten im polnischen Kohlerevier Kattowitz die Arbeit aufgenommen. Vertreter aus 200 Ländern wollen bis zum 14. Dezember ein Regelbuch verabschieden, um das Ziel, die globale Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken, doch noch erreichen zu können.

Die Absicht ist edel, die Umsetzung bisher lausig. Die Klimaziele sind nach den Berechnungen des Weltklimarats mit der bisherigen Politik nicht erreichbar. Nach drei Jahren Stabilität stiegen die CO2-Emissionen 2017 auf einen neuen Rekordwert. Effektiv kommen derzeit mindestens 3,2 Grad Erderwärmung zustande, was im Klartext bedeutet: der internationale Klimazirkus emittiert vor allem heiße Luft. Die politische Klasse, die mit Wichtigtuer-Pose vor der Klimakatastrophe warnt, nimmt sich erkennbar selbst nicht ernst. Sie predigt Wasser und tankt Benzin.
 
 
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dpa
 
Im Geldwäscheskandal der Deutschen Bank, der in der Vorwoche eine Großrazzia auslöste, sind – anders als zunächst von den Nachrichtenagenturen berichtet – alle Vorstandsbüros durchsucht worden, also auch das von Bankchef Christian Sewing. Der Aktienkurs (minus 68 Prozent seit Ackermanns Abgang) sackte weiter ab, nicht weil die Investoren ethisch sensibel veranlagt wären, sondern weil sie sich Fragen der unbequemen Art stellen: Besitzt dieses Geldhaus noch ein Geschäftsmodell? Oder sind die ständigen Fummeleien in der Grauzone Ausdruck einer systematischen Überforderung? Sind 6.000 Strafverfahren noch Zufall oder schon Methode? Kurz gefragt: Ist diese Bank noch eine Bank?
 
 
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Beim Lebensmittelgiganten Unilever zeichnet sich ein Machtpoker ab, der gesamtgesellschaftlich von großer Bedeutung ist. Nach dem kürzlich von Unilevers CEO Alan Jope vorgestellten Rendite-Ziel von 20 Prozent auf den Umsatz droht der Gesamtbetriebsratschef Hermann Soggeberg mit dem Aufstand. Er lehnt den zur Erreichung der Profit-Vorgabe notwendigen Sparkurs und die weitere Automatisierung der Fertigung, wodurch bis zum Jahr 2020 rund sechs Milliarden Euro eingespart werden sollen, entschieden ab. Seine Kampagne „Mensch vor Marge“ trägt den Keim der Revolte in sich.

Denn das Generalproblem der Politik, das Abgehängtsein der Wähler oder ihre Angst davor, entsteht genau hier: in den Großkonzernen. Scheitern die Betriebsräte, hat der politische Reparaturbetrieb kaum eine Chance. Eigentum verpflichtet, heißt es in unserer Verfassung, auch zu Maß und Mitte, würde man gerne hinzufügen. Die Arbeitsteilung ist von teuflischer Art: Kennen die Konzerne kein Maß, verlieren die Gesellschaften ihre Mitte.
 
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Das Rennen um den CDU-Vorsitz biegt nach acht Regionalkonferenzen in die Schlussgerade ein. Laut einer Umfrage der „Bild am Sonntag“ unter den 1001 Delegierten legen sich lediglich 269 von ihnen fest: 144 werden demnach für Merz, 96 für Annegret Kramp-Karrenbauer und 29 für Jens Spahn stimmen. Damit ist noch immer unklar, wer die CDU führen wird. Das Rennen wird womöglich erst im dramatischen Fotofinish auf dem Parteikonvent selbst entschieden.

Merz und Kramp-Karrenbauer wurden medial, auch an dieser Stelle, ausgiebig beleuchtet. Wir wissen nach diesem Wahlkampf ziemlich genau, wer was zu bieten hat. Er verkörpert Wirtschaftskompetenz, sie hüllt sich in jene Wortwolke der Moderne – Team, Motivation, Debatte –, die man in den USA etwas respektlos als Buzzword-Bingo bezeichnen würde.
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imago
 
Aber, und darauf wollte ich eigentlich hinaus, wer ist dieser 38-jährige Jens Spahn? Was will er? Worin besteht der Kern vom Kern dieses Politikers? Wie spricht er, wenn er nicht auf den Bühnen der Regionalkonferenzen seinen großen Auftritt hat, sondern im Vieraugen-Gespräch um Selbstauskunft gebeten wird? Gestern Nachmittag folgte der Bundesgesundheitsminister und Kandidat für den CDU-Vorsitz meiner Einladung und kam im Morning Briefing Studio vorbei, ohne Referent und Bodyguard übrigens.
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Das dreißigminütige Gespräch können Sie ungekürzt und damit unzensiert im heutigen Podcast  hören. Sie erfahren, wie Spahn die Probleme der inneren Sicherheit lösen will, warum er Roland Kaiser schätzt und wieso er auf dem Parteitag der CDU auf keinen Fall vor der Abstimmung klein beigeben wird.

In eigener Sache: Der Morning Briefing Podcast  macht nicht nur dem zwölfköpfigen Produktionsteam große Freude, sondern auch einer schnell wachsenden Zahl von Hörerinnen und Hörern, die uns seit Monaten mit der Nr. 1 Position in der iTunes-Hitparade der täglichen Politik-Podcasts belohnt.
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Jetzt meldet sich auch eine Ikone der Radiobranche, Viktor Worms, zu Wort. Er war Programmdirektor bei Antenne Bayern, ZDF-Unterhaltungschef und ist heute TV-Produzent, Berater vieler Radiosender und arbeitet für die Medienakademie von ARD und ZDF. Er schrieb am Wochenende für das Online-Magazin radioszene.de :
  „Da kommen Zeitungsleute und nehmen uns unsere Hörer weg! Echt jetzt?“

Das oder Ähnliches höre ich allenthalben aus der Radioszene, die über 50 Jahre den Kampf um das Ohr unter sich ausgemacht hat.
Politik mit ‚Gabor Steingarts Morning Briefing‘ funktioniert. Da zeigt uns ein Zeitungsmann, wie´s geht, sammelt über Nacht 75.000 Abonnenten ein, die ihm jeden Morgen 20 Minuten lauschen und die Prognosen sagen ihm ein stetes Wachstum bis hin zu 200.000 Zuhörern Ende 2019 voraus. Einfach nur mit Reden die Nr. 1 der Top-Ten-Podcasts bei iTunes!

Wie sollen wir darauf reagieren? Ich glaube es ist einfach: Kehren wir um, beginnen wir wieder zu erzählen.
Ich danke Viktor Worms für die wohlmeinenden Zeilen, die unser Team aus leidenschaftlichen Frühstaufstehern (die Studioarbeit beginnt um 4:30 Uhr; ich stoße um 5:15 Uhr dazu) als Verpflichtung und Ansporn begreift. Und ich danke den so überaus treuen Hörerinnen und Hörern, die uns mit Lob, Kritik und originellen Ideen für neue Gesprächspartner befeuern. Sie erreichen mich unter: [email protected]

Ich wünsche Ihnen einen gut informierten Start in den neuen Tag. Herzlichst grüßt Sie Ihr

Gabor Steingart
Journalist & Buchautor