Gabor Steingart. Das Morning Briefing.
GM als Warnsignal für die deutsche Autoindustrie | Zivile Waffenexporte aus Deutschland | CDU-Konferenz in Böblingen
DAS MORNING BRIEFING
28.11.2018
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dpa
Guten Morgen,
immer mehr Staaten wollen den UN-Migrationspakt nicht unterzeichnen: Amerikaner, Australier, Polen, Österreicher, Esten, Slowaken, Bulgaren, Ungarn, Tschechen, Israelis – und auch nicht die Freie Republik Sahra Wagenknecht. Der Pakt „idealisiert Migration und klammert die Ursachen aus“, sagt Wagenknecht. Am besten wäre es, die Nonkonformistin würde rechtzeitig beim Bundestagspräsidenten den Status einer Schutzbefohlenen beantragen. Denn ginge es nach der Mehrheit der Linksfraktion, droht ihr die Abschiebung vom Bundestag in Richtung Saarland, das laut Genfer Flüchtlingskonvention als sicherer Drittstaat gilt.
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dpa
 
Flüchtlinge, Steuerstaat und das Erbe der Ära Merkel: Das waren die Top-Themen der CDU-Regionalkonferenz in Böblingen. Dass ausgerechnet am Veranstaltungsort der langjährige CDU-Oberbürgermeister einem Mann der Grünen Platz machen musste, war natürlich ein Schlag ins Gesicht der CDU und ihrer Möchtegern-Vorsitzenden AKK. Das Merz-Argument, die Merkel-CDU sei ein politisches Schrumpfungsprojekt, musste nicht wiederholt werden. Es stand wie ein Gespenst im Raum.
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Ohnehin teilt sich vieles im Leben nonverbal mit, auch im Leben der drei Wahlkämpfer. Deshalb habe ich für den Morning Briefing Podcast bei Dirk Eilert angerufen. Er ist Deutschlands renommiertester Experte für Körpersprache und Mimik. Er forscht im Bereich der emotionalen Intelligenz. Sein populärer Podcast heißt „Sehen, was Menschen nicht sagen“.
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dpa
 
Der Sparkurs von General Motors ist ein Warnsignal für die deutschen Autobauer, schlagzeilt heute das „Handelsblatt“. Dabei handelt es sich um ein Warnsignal, so muss man hinzufügen, das die Manager bei Daimler, BMW und VW bewusst überhören. Denn obwohl der globale Autoabsatz erstmals seit der Finanzkrise zurückgeht und die Renditen weltweit fallen, wollen sie ihre Kapazitäten ausweiten. Neue Werke sollen errichtet und bestehende erweitert werden, in Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Mexiko und China. Die Politik der vorsätzlichen Halluzination dürfte böse enden. Die Fabriken von morgen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Industrie-Ruinen von übermorgen.
 
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Nach dem Vorfall am Wochenende im Asowschen Meer wirft der ukrainische Präsident Petro Poroschenko der russischen Seite vor, massiv Truppen an der Ostgrenze zur Ukraine zusammenzuziehen. Er warnt vor einem „vollständigen Krieg“. Der Beschuss seiner Marineschiffe östlich der Krim sei „nur der Anfang“. Für den Morning Briefing Podcast habe ich bei Andrij Melnyk, dem ukrainischen Botschafter in Berlin, durchgeklingelt. Wir müssen seine Lageanalyse nicht teilen, aber wir sollten sie kennen.
 
Mit der Europäischen Bankenunion wird ein neuer Fonds installiert, dessen Geld künftig marode Banken abwickeln soll. Bis 2023 will man europaweit 55 Milliarden Euro für diesen Abwicklungsfonds einsammeln. Die Arbeitsteilung ist sturmerprobt: Die anderen Länder besitzen die notleidenden Banken, die Deutschen das Rettungsgeld. Die Milliarden, sagen nun alle Parteien in Berlin mit stolzer Brust, kommen diesmal aber nicht von den deutschen Steuerzahlern. Richtig! Diesmal kommen die Milliarden von den deutschen Bankkunden. Nur leider schlafen Bürger und Bankkunden im selben Bett. Wenn sie morgens in den Spiegel schauen, sehen sie aus wie Zwillinge.
 
 
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dpa
 
Nach 26 Jahren will Marco Bülow nicht länger SPD-Abgeordneter im Bundestag sein, weil seine Partei keine Vision, sondern immer nur Angst habe: „Wir haben Angst vor Neuwahlen, weil es schlecht für uns ausgehen könnte. Wir haben Angst vor der Union, weil wir vielleicht ein paar Leute verprellen. Wir haben Angst vor einem Sonderparteitag und machen lieber ein Debatten-Camp. Wir haben Angst vor der Urwahl, weil da könnte jemand Vorsitzender werden, der vielleicht Menschen begeistert und mitnimmt.“
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Die Wähler jedenfalls haben keine Angst mehr, der SPD die unbequeme Wahrheit mitzuteilen. Auf die von Forsa-Mitarbeitern gestellte Frage, wem sie die Lösung der großen Gegenwartsfragen am ehesten zutrauten, gaben nur noch vier Prozent die SPD an. Das ist der tiefste Wert seit Erfindung der Demoskopie. Andrea Nahles sollte Bülow heute Morgen nicht verfluchen, sondern ihn zu ihrem Sonderbeauftragten für Mut und Bürgersinn ernennen. Den Tapferen gehört die Welt. Eine Partei mit weichen Knien und schlotternden Beinkleidern braucht kein Mensch.
 
 
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dpa
 
Der Bayer-Konzern steht nach der größten Firmenübernahme der deutschen Geschichte (Monsanto) vor dem größten Sparprogramm seit Bestehen der Firma. Der Börsenwert von Bayer war seit August um rund 30 Milliarden Euro eingebrochen. Vorstandschef Werner Baumann will nun bei allen drei Sparten des Unternehmens den Gürtel enger ziehen. Die massiven Kostensenkungen sollen auch durch Stellenabbau herbeigeführt werden. Die Ängste der Arbeitnehmer sind damit zur Gewissheit geworden. Die Großen haben nur gepokert, die Kleinen sind krepiert.
 
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Der Amokschütze von Las Vegas benutzte sie, und auch der Attentäter, der in Orlando 49 Menschen in einem Nachtclub hinrichtete: Sig Sauer, Heckler & Koch und die Glock-Pistole – wenige Waffen sind in den USA so beliebt wie die aus deutscher und österreichischer Produktion. Während die Politik um jeden Export nach Saudi-Arabien streitet, werden Exporte ziviler Schusswaffen ohne Beschränkung durchgewunken. 2017 machten allein die Exporte aus Österreich und Deutschland über ein Drittel der importierten Jagdgewehre, Handfeuerwaffen und Maschinenpistolen der USA aus. Bevor wir mit den Amerikanern zürnen, sollten wir die Kunst der Selbstempörung üben. Wir Deutsche sind nicht so unschuldig wie wir uns fühlen.

Ich wünsche Ihnen einen nachdenklichen Start in den neuen Tag. Herzlichst grüßt Sie Ihr

Gabor Steingart
Journalist & Buchautor