Gabor Steingart

Do you speak English?

Dienstag, den 26.01.2010
Jeder Facharbeiter muss heutzutage Englisch sprechen können, sagte einst der baden-württembergische Ministerpräsident Öttinger. Jetzt ist er als Mitglied der EU-Kommission der oberste Deutsche in Europa. Hier eine Kostprobe seiner Englischkenntnisse:

Guenther_Oettinger

Gabor Steingart

Little Germany in North Carolina

nc_charlotteskySophie_Charlotte_von_EnglanMontag, den 25.01.2010 in Charlotte, North Carolina
Ich bin heute in Charlotte zu Besuch. Es ist eine sehr aussergewöhnlichen amerikanische Stadt, weil nirgendwo sonst die deutschen Wurzeln so tief reichen. Charlotte liegt in den Südstaaten der USA, ist die 19. grösste Stadt des Landes und die zweitgrösste Bankenmetropole. Benannt wurde sie nach Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, der deutschen Gemahlin des englischen Königs Georges III. Der Bezirk heisst noch heute Mecklenburg County. Wo heute Wolkenkratzer stehen, befand sich früher das Stammesgebiet der Sioux-Indianer. Später dann war jeder zweite Einwohner von Charlotte ein Deutscher, so lerne ich von Klaus Becker, dem tüchtigen Präsidenten der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer, der mich zu einem Vortrag über die Zukunft des Westens eingeladen hat. Er wohnt seit über 30 Jahren hier, auch viele deutsche Firmen fühlen sich in Charlotte wohl.

Wir besuchen das grosse Siemens-Werk vor den Toren der Stadt, das Turbinen für Kernkraftwerke baut. Die Auftragslage ist mittelprächtig, die Stimmung trotzdem gut. Die Mutter in München investiert kräftig in neue Maschinen. “Das gibt uns Hoffnung”, sagt einer der Arbeiter. Abends treffe ich viele Amerikaner und Deutsche, die skeptisch in die Zukunft blicken. Der Afghanistan-Krieg und die anhaltende Wirtschaftskrise haben auch im Kernland des Optimismus Spuren hinterlassen. Das Obama-Fieber ist erkennbar abgeklungen. Kokett werde ich aufgefordert, die drei grössten Erfolge der Obama-Regierung zu benennen. Ich gebe mir Mühe. Ich schaff es nicht.

Gabor Steingart

Die Schonfrist für Obama ist abgelaufen

jamescarville_150Sonntag, den 24.1.2010
Ein Jahr lang galt es unter Demokraten als unfein, den amerikanischen Präsidenten Barack Obama “naiv” oder “unerfahren” zu nennen. Diese Schonfrist ist heute abgelaufen.
James Carville, der grosse Stratege hinter den Wahlsiegen von Bill Clinton, bescheinigt dem 44. Präsidenten in einem Kommentar für die “Financial Times” die politische Lage in Amerika grundlegend falsch eingeschätzt zu haben. Er habe geglaubt mit Worten könne er die Spielregeln von Washington ändern: “Es war erfrischend naiv von ihm an seine eigene Rethorik zu glauben”. Er meinte, nur weil er ein Change-Kandidat war, könne er Washington verändern. Niemand kann Washington ändern, sagt Carville, und das bedeutet, Obama müsse endlich nach den geltenden Regel des Machtpolitik arbeiten, die von Interessen dominiert wird und nicht von guten Absichten.

Gabor Steingart

Vorsicht. Dieses Interview ist ein Kunstprodukt

angela-merkel_150Samstag, den 23.1.2010
Angela Merkel bekommt den Medienpreis 2009 verliehen. Wofür eigentlich? Ihre öffentlichen Erklärungen sind meist bürgerunfreundlich,  weil sie dann nicht Deutsch, sondern Parteichinesisch spricht.  Ihre Interviews lesen sich sperrig, weil Sie nachträglich eine Oberamtsrats-Sprache hineinredigiert.
Alle Interviews werden den Politikern in Deutschland zum Authorisieren vorgelegt – anders als in Amerika, wo das als Betrug am Leser gilt.  Dort gilt das gesprochene Wort. Beim Spiegel haben wir schon oft darüber nachgedacht, Merkel-Interviews nicht mehr zu drucken. Bundeskanzler Gerhard Schröder korrigierte meist nur Kleinigkeiten. Sie erfindet ganze Interviewpassagen neu. Eigentlich müsste man ihre Interviews mit einem Warnhinweis versehen: Vorsicht. Dieses Interview ist ein Kunstprodukt. Es enthält sprachliche Zusatzstoffe.

Gabor Steingart

Die Uhr in Afghanistan läuft manchmal rückwärts

Donnerstag, den 21.01.2010, Washington

480px-GEN_Petraeus_Class_AIch bin neugierig auf General David Petreaus, den zur Zeit wichtigsten Militär des Westens. Er untersteht direkt dem US-Präsidenten und ist verantwortwortlich für die Militäreinsätze in Irak, Afghanistan, Pakistan und demnächst womöglich in Jemen. Petreaus ist nach Washington gekommen um einer kleinen Zahl von Militärstrategen und Journalisten am „Center for Strategic and International Studies“ zu diskutieren. Er ist anders als ich ihn mir vorgestellt hatte. Er spricht langsam, ruhig, sagt kluge Sätze wie: „Die Schwierigkeit bei meiner Arbeit ist das die Uhren überall anders gehen. Die Washingtoner Uhr schlägt sehr schnell. Die Uhr in Afghanistan läuft manchmal rückwärts.“

Er will sagen, er weiß nicht, ob die Politiker ihm ausreichend Zeit geben den Krieg zu gewinnen. Vieleicht ist er auch gar nicht zu gewinnen? Petreaus wischt die Frage nicht weg. Er habe schon den ehemaligen Verteidigungsminister Donal Rumsfeldt gewarnt, erzählt er: „Dies wird der längste Feldzug in einem sehr langen Krieg.“

Von Toten spricht er nicht. Mehr als 100.000 Menschen, die meisten davon Zivilisten, sind seit Beginn des „War on Terror“ gestorben. Als er abends im Auditorium der Georgetown Universität spricht, wird er daran erinnert. Alle paar Minuten steht ein anderer Student auf und verliest die Namen gefallener Soldaten, ihren Namen, ihr Alter.

Die Männer vom Secret Servive, eine Sonderpolizei zur Bewachung der US-Regierung, beenden den Anti-Kriegsprotest. Einige Republikaner denken daran, den General als Präsidentschaftskandidaten zu nominieren, so wie einst General Eisenhower. Das Video aus der Georgetown Universität liefert einen Vorgeschmack, was Amerika dann bevorstehen könnte.

Gabor Steingart

Ein historischer Thriller

herf-nazi-propaganda_150Mittwoch, den 20.1.2010
Gibt es Neues aus dem düstersten Kapitel deutscher Geschichte zu berichten? Es gibt. Der amerikanische Historiker Jeffrey Herf, Professor an der Maryland University, hat soeben ein aussergewöhnliches Buch veröffentlicht. Es heisst “Nazi Propaganda for the Arab World” und beschreibt die Anstrengungen der Hitler-Regierung die Muslime im Mittleren Osten für ihre Ziele zu gewinnen. Was kaum einer vorher wusste: Das Propagandaministerium hat in Millionenauflage Zeitschriften für diese Zielgruppe gedruckt und tausende von Stunden im Radio gesendet.

Jeff hat dieses Material gesichtet und ausgewertet. Sein Buch beschreibt die ungewöhnlichste und zugleich unappetlichste Koalition der jüngeren Weltschichte. Ein historischer Thriller!

Gabor Steingart

Der liebe Gott ist unbestechlich

fdp-logo_84Montag, den 18.1.2010
Der Fall der Möwenpick-Spende an die FDP zeigt einmal mehr: Privates Geld hat in der Politik nichts zu suchen. Es gibt keinen Spender, der ohne Hintergedanken seine Millionen weggibt. Die Namen wechseln – in der Industriegesellschaft war es Flick, in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft ist es Möwenpick- aber das Interesse, Politik zum eigenen Vorteil zu beeinflussen bleibt. Selbst wenn unsereins in der Kirche spendet hat er ja den Hintergedanken, es möge den lieben Gott milde stimmen. Der liebe Gott ist unbestechlich, so vermutet man jedenfalls. Bei der FDP kann man sich da nicht so sicher sein.

Gabor Steingart

Aktuelle West Wing Kolumnen

Obama Massachusetts SenateEin Jahr Obama – vom 19.01.2010
Der einsame Präsident
Barack Obamas Magie wirkt nicht mehr. Seine Anhänger, die dem Versprechen von Hope und Change geglaubt haben, sind desillusioniert: Der Präsident hat es in seinem ersten Jahr nicht geschafft, die Wirklichkeit der USA zu verändern. Heute erregt er statt Begeisterung ein anderes Gefühl – Mitleid.
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Friedensnobelpreis ObamaFriedensnobelpreis für Obama – vom 10.12.2009
Falscher Preis zur falschen Zeit
Selten hat ein Staatsmann so klug über Krieg und Frieden gesprochen wie Barack Obama in Oslo. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an den US-Präsidenten könnte sich dennoch als Fehler erweisen. Verdient haben die Auszeichnung in Wahrheit andere – vorneweg ein deutscher Kanzler.
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Der neue WesterwelleDer neue Westerwelle – vom 06.11.2009
Goodbye Guido
Ein ganz anderer Westerwelle zu Gast bei Hillary Clinton: Der Antrittsbesuch des neuen Außenministers im Weißen Haus und im State Department war in Wahrheit ein Abschiedsbesuch.
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Gabor Steingart

Mein jüngstes Buch

Steingart_Die gestohlene DemokratieDIE GESTOHLENE DEMOKRATIE
Taschenbuch-Ausgabe von “Die Machtfrage”
Das Wahl-Buch´09
Verlag: Piper München
Brochiert, 210 Seiten
August 2009

Bonn, Berlin, Washington: SPIEGEL-Mann Gabor Steingart kennt den politischen Betrieb wie nur wenige Journalisten. Pünktlich zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik unterzieht er die bundesdeutsche Demokratie einer Analyse. In “Die gestohlene Demokratie” – die Taschenbuchausgabe des Bestsellers “Die Machtfrage. Ansichten eines Nichtwählers” – beschreibt er die demokratische Leidenschaft der frühen Jahre und den sich beschleunigenden Niedergang der Volksparteien. Vor dem Hintergrund der aktuellen Weltwirtschaftskrise beurteilt er die Kanzlerkandidaten und berichtet von der Entfremdung zwischen Wählern und Gewählten. Sein Befund: Die Demokratie in Deutschland ist erstarrt. Die Parteien, deren Mitgliederzahlen sich seit den 70er Jahren halbiert haben, sind nicht mehr repräsentativ für das Volk, das sie führen. Sie fremdeln mit der Lebenswirklichkeit. weiterlesen »

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