09.02.2010
Weißes Washington: Das Ende des Kapitalismus




Montag, den 8. Februar 2010
Nicht die Finanzkrise, wohl aber der heftige Schneefall hat dem amerikanischen Kapitalismus arg zugesetzt. Zumindest in der Hauptstadt Washington kam in den vergangenen Tagen nicht nur der Verkehr, sondern auch die Geschäftstätigkeit zum Erliegen. Ein von den Einheimischen „snow blizzard“ getaufter Schneefall (nicht heftiger als das, was im Allgäu üblich ist) hat der amerikanischen Hauptstadt den Geschäftssinn ausgetrieben.
Die Taxen der Marken Mercury und Lincoln waren am Wochenende aus dem Strassenbild verschwunden. Diese Wagen geraten schon bei Nieselregen ins Schlingern. Auch die Busse blieben im Depot. Die Einheimischen sausten auf Skiern durch Georgetown.
Die meisten Geschäfte und selbst die Kaffeekette „Starbucks“ hatte den Betrieb eingestellt – schon aus Angst vor den Schadensersatzklagen der Mitarbeiter. Denn es ist glatt draussen.
Die Eisenbahngesellschaft Amtrak setzte am Samstag alle Züge aus, bis auf einen. Den nahm ich denn auch. Von New York nach Washington brauchte der Regionalexpress annähernd so lange wie die Lufthansa von Frankfurt nach Washington. Selbst im Zug schneite es, siehe Foto. Die traditionsreichen Stahlungetüme sind, wie sich jetzt zeigte, nicht ganz dicht.
Auch auf der Nachfrageseite geriet der Kapitalismus ins Stocken, denn alle Schulkinder und alle Regierungsangestellten dürfen derzeit zuhause bleiben. Dadurch wiederum sehen sich viele private Firmen gezwungen, ihren Beschäftigten ebenfalls frei zu geben. Im Land des Turbokapitalismus herrscht ungewohnte Stille.
Nur die tapferen und fleißigen Einwanderer aus Lateinamerika retteten die kapitalistische Ehre Amerikas. Sie gingen in den innerstädtischen Wohngebieten von Tür zu Tür und boten ihre Dienste als Schnee-Schaufler an. Das Freilegen von Hauseingang und Auto war schon für 30 Dollar zu haben. Für Nachfolgeaufträge ist gesorgt: Morgen soll es wieder schneien.


Wir wollen Relevanz und Reichweite des „Handelsblatt“ weiter steigern, so hat Dieter von Holtzbrinck an jenem Abend das gemeinsame Ziel formuliert. Er ist stolz auf das, was viele in der Branche „das Wunder von Hamburg“ nennen. Dort haben „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und der Verlagsleiter Rainer Esser die Auflage, das Ansehen und den Lesespass der Wochenzeitung erkennbar vergrössert. „Die Zeit“ gehört, so wie auch der „Tagesspiegel“ in Berlin, ebenfalls der Verlegerfamilie von Holtzbrinck. 
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Sonntag, den 31.1.2010




Ich bin neugierig auf General David Petreaus, den zur Zeit wichtigsten Militär des Westens. Er untersteht direkt dem US-Präsidenten und ist verantwortwortlich für die Militäreinsätze in Irak, Afghanistan, Pakistan und demnächst womöglich in Jemen. Petreaus ist nach Washington gekommen um einer kleinen Zahl von Militärstrategen und Journalisten am „Center for Strategic and International Studies“ zu diskutieren. Er ist anders als ich ihn mir vorgestellt hatte. Er spricht langsam, ruhig, sagt kluge Sätze wie: „Die Schwierigkeit bei meiner Arbeit ist das die Uhren überall anders gehen. Die Washingtoner Uhr schlägt sehr schnell. Die Uhr in Afghanistan läuft manchmal rückwärts.“ 






