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Montag, den 8. Februar 2010
Nicht die Finanzkrise, wohl aber der heftige Schneefall hat dem amerikanischen Kapitalismus arg zugesetzt. Zumindest in der Hauptstadt Washington kam in den vergangenen Tagen nicht nur der Verkehr, sondern auch die Geschäftstätigkeit zum Erliegen. Ein von den Einheimischen „snow blizzard“ getaufter Schneefall (nicht heftiger als das, was im Allgäu üblich ist) hat der amerikanischen Hauptstadt den Geschäftssinn ausgetrieben.

Die Taxen der Marken Mercury und Lincoln waren am Wochenende aus dem Strassenbild verschwunden. Diese Wagen geraten schon bei Nieselregen ins Schlingern. Auch die Busse blieben im Depot. Die Einheimischen sausten auf Skiern durch Georgetown.

Die meisten Geschäfte und selbst die Kaffeekette „Starbucks“ hatte den Betrieb eingestellt – schon aus Angst vor den Schadensersatzklagen der Mitarbeiter. Denn es ist glatt draussen.

Die Eisenbahngesellschaft Amtrak setzte am Samstag alle Züge aus, bis auf einen. Den nahm ich denn auch. Von New York nach Washington brauchte der Regionalexpress annähernd so lange wie die Lufthansa von Frankfurt nach Washington. Selbst im Zug schneite es, siehe Foto. Die traditionsreichen Stahlungetüme sind, wie sich jetzt zeigte, nicht ganz dicht.

Auch auf der Nachfrageseite geriet der Kapitalismus ins Stocken, denn alle Schulkinder und alle Regierungsangestellten dürfen derzeit zuhause bleiben. Dadurch wiederum sehen sich viele private Firmen gezwungen, ihren Beschäftigten ebenfalls frei zu geben. Im Land des Turbokapitalismus herrscht ungewohnte Stille.

Nur die tapferen und fleißigen Einwanderer aus Lateinamerika retteten die kapitalistische Ehre Amerikas. Sie gingen in den innerstädtischen Wohngebieten von Tür zu Tür und boten ihre Dienste als Schnee-Schaufler an. Das Freilegen von Hauseingang und Auto war schon für 30 Dollar zu haben. Für Nachfolgeaufträge ist gesorgt: Morgen soll es wieder schneien.

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