spiegelcover-liechtensteinangela_merkelSonntag, den 31.1.2010
Bislang war der Aufkauf von geheimen Steuerunterlagen ein Geschäft von Enthüllungsjournalisten. Ich erinnere, wie uns 1995 eine Diskette aus dem Steuerparadies Lichtenstein angeboten wurde, die die Namen hunderter von Steuerhinterziehern enthielt. Getreu dem Spiegel-Motto “Wir betreiben keinen Scheckbuch-Journalismus, wir zahlen in bar” geriet das gute Stück schliesslich in die Hände der Ressortleitung Wirtschaft, der ich damals angehörte. Auf der Diskette fanden sich so illustre Namen wie die des dreimaligen Europameisters im Springreiten Paul Schockemöhle. “Die Lichtenstein Connection” war nicht nur eine gut lesbare und wichtige Coverstory, sie brachte dem Staat Millionen an Steuerrückzahlungen. Schockemöhle erstattete umgehend Selbstanzeige und überwies als erste Tranche noch vor Erscheinen des Spiegel-Titelgeschichte die ersten 10 Millionen Mark. Nun steigt auch die Bundesregierung in das Geschäft mit vertraulichen Steuersünder-Dateien ein, die Kanzlerin als neue Spiegel-Konkurrenz. Auch in diesem Fall gilt: Konkurrenz belebt das Geschäft, vor allem das Geschäft der Steuerbehörden. Und das ist gut so. Solche Aufkaufaktionen sind nie schön, aber notwendig.

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