Gabor Steingart

Little Germany in North Carolina

nc_charlotteskySophie_Charlotte_von_EnglanMontag, den 25.01.2010 in Charlotte, North Carolina
Ich bin heute in Charlotte zu Besuch. Es ist eine sehr aussergewöhnlichen amerikanische Stadt, weil nirgendwo sonst die deutschen Wurzeln so tief reichen. Charlotte liegt in den Südstaaten der USA, ist die 19. grösste Stadt des Landes und die zweitgrösste Bankenmetropole. Benannt wurde sie nach Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, der deutschen Gemahlin des englischen Königs Georges III. Der Bezirk heisst noch heute Mecklenburg County. Wo heute Wolkenkratzer stehen, befand sich früher das Stammesgebiet der Sioux-Indianer. Später dann war jeder zweite Einwohner von Charlotte ein Deutscher, so lerne ich von Klaus Becker, dem tüchtigen Präsidenten der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer, der mich zu einem Vortrag über die Zukunft des Westens eingeladen hat. Er wohnt seit über 30 Jahren hier, auch viele deutsche Firmen fühlen sich in Charlotte wohl.

Wir besuchen das grosse Siemens-Werk vor den Toren der Stadt, das Turbinen für Kernkraftwerke baut. Die Auftragslage ist mittelprächtig, die Stimmung trotzdem gut. Die Mutter in München investiert kräftig in neue Maschinen. “Das gibt uns Hoffnung”, sagt einer der Arbeiter. Abends treffe ich viele Amerikaner und Deutsche, die skeptisch in die Zukunft blicken. Der Afghanistan-Krieg und die anhaltende Wirtschaftskrise haben auch im Kernland des Optimismus Spuren hinterlassen. Das Obama-Fieber ist erkennbar abgeklungen. Kokett werde ich aufgefordert, die drei grössten Erfolge der Obama-Regierung zu benennen. Ich gebe mir Mühe. Ich schaff es nicht.

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