21.01.2010
Die Uhr in Afghanistan läuft manchmal rückwärts
Donnerstag, den 21.01.2010, Washington
Ich bin neugierig auf General David Petreaus, den zur Zeit wichtigsten Militär des Westens. Er untersteht direkt dem US-Präsidenten und ist verantwortwortlich für die Militäreinsätze in Irak, Afghanistan, Pakistan und demnächst womöglich in Jemen. Petreaus ist nach Washington gekommen um einer kleinen Zahl von Militärstrategen und Journalisten am „Center for Strategic and International Studies“ zu diskutieren. Er ist anders als ich ihn mir vorgestellt hatte. Er spricht langsam, ruhig, sagt kluge Sätze wie: „Die Schwierigkeit bei meiner Arbeit ist das die Uhren überall anders gehen. Die Washingtoner Uhr schlägt sehr schnell. Die Uhr in Afghanistan läuft manchmal rückwärts.“
Er will sagen, er weiß nicht, ob die Politiker ihm ausreichend Zeit geben den Krieg zu gewinnen. Vieleicht ist er auch gar nicht zu gewinnen? Petreaus wischt die Frage nicht weg. Er habe schon den ehemaligen Verteidigungsminister Donal Rumsfeldt gewarnt, erzählt er: „Dies wird der längste Feldzug in einem sehr langen Krieg.“
Von Toten spricht er nicht. Mehr als 100.000 Menschen, die meisten davon Zivilisten, sind seit Beginn des „War on Terror“ gestorben. Als er abends im Auditorium der Georgetown Universität spricht, wird er daran erinnert. Alle paar Minuten steht ein anderer Student auf und verliest die Namen gefallener Soldaten, ihren Namen, ihr Alter.
Die Männer vom Secret Servive, eine Sonderpolizei zur Bewachung der US-Regierung, beenden den Anti-Kriegsprotest. Einige Republikaner denken daran, den General als Präsidentschaftskandidaten zu nominieren, so wie einst General Eisenhower. Das Video aus der Georgetown Universität liefert einen Vorgeschmack, was Amerika dann bevorstehen könnte.







